Weltweit und jahrhundertelang ist über Religion vieles geschrieben wor- den, über deren Sinn und Bedeutung und ihren Beitrag zum Humanis- mus. Vor allem in der westlichen Kultur hat man dicke Scharteken mit Spekulationen über Art und Weise sowie den historischen Hintergrund der Hauptperson westlicher Konfessionen, Jesus Christus, vollgesudelt. Viele Leute haben es unternommen bis zu den allerersten diffizilen Anhaltspunkten vorzudringen, wo es darum ging, Jesus als historische Persönlichkeit festzumachen und ihn mit einer hieb- und stichfesten Bio- graphie zu versehen, die ebenso den Bedürfnissen des Glaubens zu genügen vermag wie auch ihn aus eher irdischer Sicht als Gottes- Menschen darstellt, auf den wir alles zurückzuführen vermögen. Stellt man die darauf verwandte Zeit und Mühe in Rechnung, dann müssen die handelnden Personen zu Beginn des Christentums und dessen legen- därer Gründer für Geist und Kultur des Westens doch wohl höchst wesentlich sein.
Ungeachtet des Umstandes, daß diese Literatur sich fortwährend weiter ausbreitet und ungeachtet des Ranges der Aufgabe, die sich ihre Ver- fasser damit gesetzt haben, ist der Nichtfachmann darüber weitestgehend nicht unterrichtet, zumal es hinsichtlich Religion und Mythologie an zuver- lässigem Unterricht fehlt und infolgedessen die meisten Bürger darüber so gut wie gar nichts wissen. Was nun speziell das Christentum anbe- langt, so werden die allermeisten Leute darüber in ihren Schulen und Kirchen dahingehend belehrt, Jesus Christus sei in der Tat eine histori- sche Persönlichkeit gewesen und die einzige Kontroverse über ihn bestünde darin, daß ihn die einen als Sohn Gottes und Messias ansähen, die anderen dies aber nicht täten. Beherrscht dieser Streit offensichtlich das Feld, so ist er gleichwohl gar nicht von ausschlaggebender Bedeu- tung. Für den Durchschnittsbürger mag es sich vielmehr als geradezu erschreckend ausnehmen, wenn er hört, daß die am längsten fortdauern- de und grundsätzliche Auseinandersetzung sich um die Frage dreht, ob ein Mensch namens Jesus Christus überhaupt jemals gelebt hat.
Geht man von den in allgemein zugänglichen Buchläden [1] anzutreffen- den Publikationen aus, so mag diese Debatte sich noch nicht derart ins Gesichtsfeld drängen, beschäftigt man sich indes mit diesem Gegenstand näher, so stößt man auf einen unglaublich umfangreichen Fundus von Literatur, in der immer wieder höchst scharfsinnig vor Augen geführt wird, daß Jesus Christus nichts anderes ist als eine mythische Figur von gleichem Kaliber wie die Gestalten der griechischen, römischen, ägypti- schen, sumerischen, phönizischen, indischen oder anderer Götterwelten, die samt und sonders eher als mythische denn als historische Figuren gehandelt werden. [2] Gräbt man sich ganz tief in dieses Arbeitsmaterial ein, so gelangt man zu der Feststellung, daß die Figur Jesu auf weitaus älteren Mythen rund um den Erdball fußt. Und so kommt man zuletzt darauf, daß es sich nicht um eine historische Darstellung eines gewissen jüdischen aufrührerischen Zimmermannes handeln kann, der vor 2.000 Jahren in Fleisch und Blut in der Levante gelebt hätte. Mit anderen Worten, es ist immer wieder über die Jahrhunderte hinweg dargelegt worden, daß es sich bei dieser Figur eines Jesus Christus um eine reine Fiktion handelt und nicht etwa um eine reale Person, die zu einem “Sohn Gottes“ wurde oder die begeisterte Anhänger “ephemeristisch“ zu einem Superman hochgejubelt haben. [3]
Diese Kontroverse gab es schon ganz von Anfang an, und selbst die Schriften der “Kirchenväter“ lassen erkennen, daß sie sich von der heidni- schen Intelligentsia unentwegt dazu gezwungen sahen, das zu verteidi- gen, was sowohl Nicht-Christen wie auch andere Christen [“Häretiker“] [4] in gleicher Weise als widersinniges und erkünsteltes Garn einschätzten und dem jegliche Beweiskraft für Historizität fehle. Rev. Robert Taylor drückt es so aus : “Von den Zeiten der Apostel an ist in nie unterbroche- ner Sukzession, jedoch niemals derart verbissen und erbittert wie in der allerersten Zeit, die Existenz Christi als Mensch höchst entschieden geleugnet worden.“ [5] Julian (Apostata), als Kaiser Nachfolger des fanatischen und mordlustigen “guten Christen” Konstantin, stellte die Rechte der heidnischen Gläubigen wieder her und verkündete, “sollte jemand über euch Christen die Wahrheit zu wissen begehren, so wird er den Ursprung eures Unglaubens zum Teil in der Anmaßung der Juden und zum Teil in der indifferenten Einstellung und in der Uneinigkeit eurer Anführer finden, und zu dem Schluß gelangen, daß ihr nicht die besten sondern die schlechtesten Merkmale von beidem abgeleitet habt.“ [6] Diesen gebildeten Abweichlern zufolge müßte das Neue Testament eigentlich “Evangelium der Fiktionen“ [7] heißen.
Es ist ein Jahrhundert her, als der Verfechter einer mythischen Deutung Albert Churchward erklärte, ”die kanonischen Evangelien lassen sich als eine Ansammlung von Überlieferungen ägyptischer Mythen und ägypti- scher Eschatologie erinordnen.“ [8] In seinem Werk Fälschung im Christentum [Forgery in Christianity] gelangt Joseph Wheless zu der Feststellung, “die Evangelien sind über ein Jahrhundert hinweg mit ihren vorgeblichen Daten samt und sonders Fälschungen.“ [9] Jene Urheber, die einige der hunderte “alternativer” Evangelien und Episteln, die im Verlauf der ersten Jahrhunderte unserer Zeitrechnung eliminiert wurden, zusam- mengebraut hatten, haben ja sogar zugegeben, daß sie die Dokumente gefälscht hatten. [10] Während der ersten Jahrhunderte des Bestehens der Kirche war Fälschung zugegebenermaßen geradezu vorherrschend und in der Tat derart allgemein, daß man daraus den neuen Begriff des “frommen Betruges (pia fraus)“ [11] ableitete. Zu einer derartigen Ausflucht wird zu wiederholten Malen in der Katholischen Enzyklopädie [12] gegriffen. Einige der “großen“ Kirchenväter wie etwa Eusebius [13] wurden von ihren eigenen Herrschern als unglaubwürdige Lügner eingeschätzt, die in einem fort ihre eigenen Erdichtungen über das, was “der Herr“ gesagt und im Verlauf “seines“ ihm zugeschriebenen Erdenwandels getan habe, niederschrieben. [14]
Die Gewißheit, daß es sich bei Jesus Christus um eine mythische Figur handelt, läßt sich nicht nur anhand der Werke der Abweichler und der “Heiden“ erhärten, die die Wirklichkeit kannten – und die mit Nachdruck und um ihrer Gegnerschaft christlicher Priester und “Kirchenväter“ willen erbittert bekämpft, ja umgebracht wurden, hatten sie doch letzteren vor- geworfen, sie führten die Massen mit ihren Erdichtungen in die Irre. Das Belegmaterial findet sich gerade in den Behauptungen eben jener Christen selbst, räumen sie doch fortwährend ein, sie wüßten um die mythische Beschaffenheit Jesu Christi und kennten weitaus ältere Gottheiten, die in der bekannten antiken Welt allenthalben zu Hause waren und auf die sich die Christusmythe stütze. Ja selbst Papst Leo X. gab, als Garant der Wahrheit in Ansehung seines hohen Ranges, folgende schnurrige Äußerung von sich : “Welchen Profit hat nicht die Christus-Legende uns verschafft !“ [15] (Hervorhebung von der Verfasserin). Oder wie Wheless es ausdrückt, “die Beweise meiner Anklage sind unglaublich einfach.“
Geht man von ihren eigenen Angaben aus, so standen die Christen der Frühzeit beständig unter der Kritik hochangesehener Gelehrter, die von ihren christlichen Gegnern als “Heiden“ attackiert wurden. Diese Gruppe umfaßte viele Gnostiker, die ihnen unentwegt die Fleischwerdung [carnalization] ihrer Gottheit zum Vorwurf machten, wo doch die Christen viele der Eigenheiten ihres Gottes und ihres Gott-Menschen erweislich von den Gnostikern übernommen hätten ; Gnostiker, das bedeutete “die, die wissen“, ein Sammelbegriff, der Mitgliedern unterschiedlicher esoteri- scher Schulen und Kameradschaften galt. Die auf die Gnostiker gemünz- ten Zurückweisungen durch die Christen machen deutlich, daß ihr Gottes- Mensch den Gnostikern ein Greuel sein mußte, hielten doch letztere dafür, ihr Gott könne zu keiner Zeit menschliche Gestalt annehmen. [16]
Quellen
in der Bibel
Es erscheint schon recht aufschlußreich, daß die ältesten christlichen Dokumente, die Episteln des ”Paulus”, niemals den historischen Back- ground Jesu erörtern, sich vielmehr ausschließlich mit einem spirituellen Wesen befassen, das seit Jahrhunderten, wenn nicht Jahrtausenden sämtlichen gnostischen Sekten wohlbekannt war. Die spärlichen “histori- schen“ Bezugnahmen auf ein reales Leben Jesu in den Episteln sind nachweislich spätere Einschübe und Fälschungen, wie denn überhaupt laut Wheless die Episteln insgesamt nicht auf einen “Paulus“ als Ver- fasser zurückgehen. [17] Abgesehen von einer knappen Erwähnung des Pontius Pilatus im 1. Brief an Timotheus [6:13] sowie einer aus dem Jahre 144 unserer Zeitrechnung stammenden Epistel, die einem gewissen Ben Yehoshua zugeschrieben wird und schon deshalb nicht von Paulus her- rühren kann, erwähnt das paulinische Schrifttum [folgt man Edouard Dujardin] “weder Pilatus [18] noch die Römer, nicht den Hohepriester Kaiphas, nicht Herodes [19] oder Judas oder die heiligen Frauen oder auch sonst irgend einen Menschen aus dem Bericht der Evangelien über die Passion Christi, ja es wird auf sie noch nicht einmal im geringsten angespielt ; und letztlich erörtert es rein gar nichts von den Begeben- heiten dieser Passion, weder im Klartext noch gleichnishaft. [20] Dazuhin erörtert Dujardin den Umstand, daß die frühen ”christlichen” Schriften wie beispielsweise die Apokalypse keine einzige historische Begebenheit oder Ereignisfolge erwähnen. [21] Mangasarian merkt ferner an, daß Paulus nie einen der tiefsinnigen Lehrsätze oder Aussprüche, Gleichnisse oder Gebete Jesu erwähnt, auch schweigt Paulus sich hinsichtlich der übernatürlichen Geburt Jesu und dessen ihm zugeschriebene Wunder- taten aus, wo man doch annehmen sollte, daß all dies für seine Anhänger höchst bedeutungsvoll hätte sein müssen, hätten sie sich zeitlich vor “Paulus“ ereignet. [22]
Wenden wir uns den Evangelien selbst zu, die etwa um 170 – 180 unse- rer Zeitrechnung abgefaßt worden sind [22 a], so machen die Apostel, die vermeintlichen Autoren, zerstreut geschichtliche und genealogische Angaben, die einander an zahlreichen Stellen widersprechen. Die Geburt Jesu wird auf unterschiedliche Zeiten und Örter datiert. Bei “Markus“ wer- den Geburt und Kindheit Jesu überhaupt nicht erwähnt, und auch wenn “Matthäus“ und “Lukas“ für Jesus die Geburt durch eine “Jungfrau“ geltend machen, so wird gleichwohl seine Abstammung über Joseph vom Hause David ausführlich erörtert, weil sich so eine “Prophezeiung erfüllt habe“. [23] Den Synoptikern zufolge soll Jesus vor seinem Tode ein Jahr lang öffentlich aufgetreten sein, während es sich laut “Johannes“ um drei Jahre Lehrtätigkeit gehandelt habe. “Matthäus“ berichtet von Jesu “Berg- predigt“ [24] vor den “Vielen“, wohingegen es sich “Lukas“ zufolge lediglich um eine private Gesprächsrunde nur vor seinen Jüngern gehandelt habe. Die Berichte über seine Passion und Auferstehung differieren aufs äußerste voneinander, und keiner dieser Berichte erwähnt, wie alt Jesus bei seinem Tode gewesen sei. [25] “Die sogenannten ’kanonischen’ Bücher des Neuen Testaments sind, ebenso wie die des Alten Testa- ments, ein Durcheinander von Widersprüchen und Textverderbnissen bis hin zu etwa 150.000 oder gar mehr ’unterschiedlicher Lesarten’, wie man weiß und zugibt.“ [Wheless, [26] ] Es kommt noch hinzu, daß man einst- mals von Dutzenden im Umlauf befindlicher Evangelien nur einige wenige als kanonisch oder “echt“ eingestuft hat, während alle anderen als “apokryph“ oder “unecht“ verworfen wurden, und vice versa. So viel über das unverfälschbare Wort Gottes und die unfehlbare Kirche ! Diese Konfusion hält an, weil die christlichen Fälscher es sich über die Jahr- hunderte hinweg angelegen sein ließen, jedwede Mythe oder Legende, jeden Lehrsatz oder Weisheitsspruch, dessen sie aus den zahllosen Mysterienreligionen und Philosophenschulen ihrer Zeit habhaft werden konnten, in ihren Fundus einzuschmelzen. Bei diesem Treiben wurden diese Texte jahrhundertlang verfälscht, interpoliert, vervielfältigt, abge- ändert und umgeschrieben. [27]
Quellen außerhalb der Bibel
Zunächst einmal gibt es keinerlei nicht-biblische Quellen, die etwas über eine historische Gestalt namens Jesus besagen, es gibt aus jener angeb- lichen Lebenszeit Jesu keinen einzigen bekannten Historiker, ebenso wenig für die Zeit danach, der Jesus und dessen so bedeutsame Ankunft auch nur erwähnt hätte. “Kein Autor jener Zeit hat ihn in irgend einer Schrift erwähnt [Walker]. Auch der hellenistisch gebildete jüdische Geschichtsschreiber und Philosoph Philo [20 vor – 50 nach unserer Zeit- rechnung], der also Zeitgenosse Jesu hätte sein müssen, erwähnt ihn nicht. Eben so wenig finden sich Erwähnungen Jesu bei etwa 40 anderen zeitgenössischen Geschichtsschreibern aus den ersten beiden Jahrhun- derten unserer Zeitrechnung. Diese Autoren “haben genug hinterlassen, um eine ganze Bibliothek damit zu bestücken. Selbst in dieser Unmenge jüdischer und heidnischer Literatur findet sich keine Erwähnung des Jesus Christus, sieht man von zwei vermutlich gefälschten Abschnitten bei einem jüdischen Autor und zwei umstrittenen Passagen in den Werken römischer Verfasser ab.“ [28] Ihr Schweigen steht als betäuben- des Zeugnis gegen die Verfechter der Historizität Jesu.
In sämtlichen Schriften des jüdischen Geschichtsschreibers Josephus, die viele Bände umfassen, gibt es lediglich zwei Abschnitte, von denen es heißt, sie befaßten sich mit Jesus. Wenn man auch von diesen zwei “Bezugnahmen“ viel Wesens gemacht hat, so sind sie von sämtlichen Wissenschaftlern und selbst von christlichen Apologeten als Fälschungen verworfen worden, ebenso wie jene Stellen, die sich auf Johannes den Täufer und auf Jakob, den “Bruder“ Jesu beziehen. Bischof Warburton stufte den bei Josephus zu findenden sich auf Jesus beziehenden Ein- schub als “offenkundige Fälschung und noch dazu eine höchst törichte“ ein. [29] Wheless merkt an, “die allererste Erwähnung dieses Textab- schnitts findet sich in der Kirchengeschichte bei dem ‘höchst unzuver- lässigen Verfasser’ Eusebius, Bischof im vierten Jahrhundert unserer Zeitrechnung. Die Katholische Enzyklopädie räumt denn auch ein, daß die angeführte Passage Origenes und früheren patristischen Autoren nicht bekannt gewesen sei.“ Wheless, von Beruf Anwalt, und Taylor, Geistlicher, stimmen darin überein, es sei wohl Eusebius selbst gewesen, der als Fälscher diesen Abschnitt eingeschmuggelt habe.
Im Hinblick auf den vermutlich von Plinius dem Jüngeren an den Kaiser Trajan adressierten Brief, der als eine der bedauerlich raren “Erwähnun- gen“ Jesu beziehungsweise des Christentums herhalten muß und der von Christen als “Beweis“ der historischen Existenz Jesu gehandelt wird, so findet sich darin lediglich ein einziges passendes Wort – “christlich“ – und von diesem hat man nachweisen können, daß es sich um eine Fälschung handelt, wie man es denn sogar vom ganzen Brief annimmt. Was nun den Abschnitt in den Werken des Geschichtsschreibers Tacitus anbe- langt, der nicht während der vorgeblichen Lebenszeit Jesu gelebt hat son- dern erst zwei Jahrzehnte nach seinem angeblichen Tod geboren wurde, so wird auch dieser von kompetenten Gelehrten als Einschub und Fälschung angesehen. [30] Christliche Apologeten schätzen ferner die bei Sueton enthaltene Passage, wo irgendwer oder irgendwas als ”Chrestus“ oder “Chresto“ erwähnt wird, als Hinweis auf ihren Heiland ; während einige darüber spekulierten, es habe damals einen Römer dieses Namens gegeben, war doch der Name “Chrestus“ bzw. “Chrestos“ [entnommen dem Griechischen, er bedeutet soviel wie “nützlich, brauchbar“] für Freigelassene üblich. Andere Autoren wiederum schätzen auch diesen Textabschnitt als Interpolation ein.
Was nun diese Bezugnahmen und ihre von christlichen Apologeten bis zum Erbrechen geübte Zitiererei anbelangt, sagt Dr. Alvin Boyd Kuhn :
“Ein christlicher Pastor, der mit seiner Lektüre nicht über das abgesteckte Feld akkreditierter kirchlicher Autoritäten hinaus gelangt ist, wird im allge- meinen jedem Gemeindemitglied einschärfen, die Untersuchung habe ergeben, kein geschichtliches Ereignis sei besser belegt als die Berichte der Evangelien über das Leben Christi. Er wird sogar noch über die übliche Erwähnung Jesu bei Geschichtsschreibern und in Briefen, die seiner Erwähnung tun, hinausgehen. Der im Vertrauen auf die Bildung und den guten Glauben seines Hirten glaubensvolle Fragesteller erhält seinen Bescheid und geht im Vollbesitz der Bestätigung der Wahrhaftig- keit der neutestamentlichen Berichte nach Hause. Der Seelenhirte denkt nicht daran, die von ihm erwähnten Daten dadurch abzuwerten, daß er das Fälschungswesen und das in der frühen Kirche übliche freie Fabulieren auch nur erwähnt. Frägt man indes schlicht nach der Wahr- heit, so kommt es ausschlaggebend darauf an, den Fundus angeblicher Zeugnisse aus der weltlichen Geschichtsschreibung auf den Prüfstand zu bringen und daraufhin abzuklopfen, welches Material von Glaubwürdigkeit sich darin befindet.
”Zunächst einmal reduziert sich die Liste der Geschichtsschreiber, in deren Werken sich Jesus erwähnt findet, auf ganze vier : Plinius, Tacitus, Sueton und Josephus. Es handelt sich um jeweils kurze Abschnitte in den Werken der Genannten, davon zwei Stellen bei Josephus. Der Gesamt- umfang dieses Materials wird von Harry Elmer Barnes in The Twilight of Christianity auf etwa 24 Zeilen eingeschätzt. Insgesamt macht es viel- leicht das Doppelte dieser Annahme aus. Dieser dürftige Bestand an Belegen macht das komplette Beweismaterial für ’eines der am besten dokumentierten Ereignisse in der Geschichte’ aus. Selbst wenn man das als unbezweifelbar echt und zuverlässig gelten ließe, so gäbe es doch nur eine hinfällige Stütze für ein Ereignis ab, das über achtzehn Jahrhunderte hinweg die Gedankenwelt des halben Erdkreises beherrscht hat.
“Wie aber verhält es sich mit dem Stand dieser Zeugnisse ? Selbst nam- hafte katholische Gelehrte haben sich davon distanziert, den akademi- schen Untersuchern dieser Abschnitte rundweg beizupflichten, müssen doch einige davon, wenn nicht sogar alle als Fälschungen und Einschübe von der Hand christlicher Skribenten eingeschätzt werden, die wie Unter- grundkämpfer auf nichts anderes erpicht waren, jene Autoren als Gewährsleute für die Botschaft der Evangelien über das Leben Jesu an- führen zu können. In summa, vierzig oder fünfzig Zeilen als Bestätigung
der historischen Existenz Jesu, und denen fehlt jegliche Zuverlässigkeit !“ [30 a]
Von diesen “Belegstellen” sagt Dujardin, “selbst wenn dieselben authen- tisch wären und sich auf frühere Quellen stützten, so würden sie uns nicht weiter zurückführen als in jene Ära, da die Erzählungen der Evangelien Gestalt annahmen, und so vermöchten sie allenfalls die Jesus-Legende bestätigen, nicht aber seine Geschichtlichkeit.“ Wie man es auch immer ansieht, so dürfen diese spärlichen und knappen “Bestätigungen“, die einem Manne gelten sollen, der die Welt erschüttert haben soll, schwer- lich als Beweismaterial für seine Existenz herhalten, und es wäre rund- weg widersinnig, die geltend gemachte Historizität der gesamten christ- lichen Gründungslegende allein darauf stützen zu wollen. [31] Es heißt, “außerordentliche Ansprüche erfordern außerordentliche Beweise” ; zuge- geben, aber nicht ein einziges Beweisstück von einer gewissen Erheblich- keit hat es für die Historizität Jesu je gegeben oder wurde je zutage gefördert.
Die Gestalten
Es liegt also auf der Hand, daß es eine geschichtliche Person, auf den sich die christliche Religion zurückführen ließe, nie gegeben hat, und dieser “Jesus Christus“ nichts anderes ist als ein Sammelsurium von Legenden, Heroen, Gottheiten und Halbgöttern. Es ist hier nicht der Raum, hinsichtlich jedes Gottes oder Halbgottes, der seinen Beitrag zur Erschaffung des jüdischen Jesus erbracht hat, ins Detail zu gehen ; es mag genügen zu sagen, daß es haufenweise Material gibt, um zu belegen, daß diese Aufgabe nicht eine Frage des “Fürwahrhaltens“ oder “Glaubens“ ist. Die Wahrheit ist darin beschlossen, daß es während der Zeit, da dieser vorgebliche Typ gelebt haben soll, eine riesige Bibliothek in Alexandria gab und ein unvorstellbar gewieftes Netzwerk geistlicher Zirkel, das sich von Europa bis China erstreckte, und daß dieses dem Informationsaustausch dienende Netzwerk Zugang zu zahlreichen Schriften hatte, die eben dieselbe Erzählung, wie sie ihren Niederschlag im Neuen Testament gefunden hat, mit den unterschiedlichsten Orts- und Personennamen enthielten. Im einzelnen weist die Jesus-Legende nahe- zu gleichlautende Parallelen beispielsweise mit derjenigen des Krishna auf, und zwar bis in die letzten Einzelheiten, wie das vor mehr als 100 Jahren der gelehrte Mythenforscher Gerald Massey vorgeführt hat, und ebenso vor 160 Jahren, neben anderen, Rev. Robert Taylor. [32] Die Er- zählungen über Krishna, wie sie sich in den hinduistischen Veden finden, gehen bis zum Jahre 1.400 vor unserer Zeitrechnung, wenn nicht noch weiter, zurück. [33] Ein Gleiches läßt sich über den durchgestylten Horus- Mythos sagen, der ebenso der Jesus-Legende im Detail nahezu entspricht, ihr jedoch um tausende von Jahren vorangeht.
Wenn es heißt, zwischen dem christlichen Mythos und jenen im Nach- folgenden skizzierten Überlieferungen gebe es keine Übereinstimmun- gen, da sie doch sich in “Primärquellen“ nicht finden ließen, so wollen wir uns gegenüber dieser speziellen Behauptung den Äußerungen der frühen Kirchenväter zuwenden, die durchaus zugaben, daß sich weitaus die meisten Eigenheiten der Christus-Figur tatsächlich bei älteren “heidni- schen“ Gottheiten finden ließen, wobei sie betonten, der Grund für diese Übereinstimmungen läge im Vorauswissen Satans, der Christus “vorweg- genommen“ habe und es den Herzen der Heiden eingeimpft habe, Christi “Erscheinen“ vorauszuahnen.
In seiner ersten Verteidigungsschrift anerkannte der Kirchenvater Justin [cirka 100 – 165 unserer Zeitrechnung] die Ähnlichkeiten zwischen den älteren heidnischen Göttern und Religionen und den Gestalten des Christentums, wobei er es unternahm, darzulegen, daß letzteres kein bißchen lächerlicher sei als die älteren Mythen :
“ENTSPRECHUNGEN ZUR GESCHICHTE CHRISTI. Und wo wir ebenso sagen, daß das Wort als der Erstgeborene Gottes ohne Geschlechtsakt gezeugt wurde, daß Er, Jesus Christus, unser Lehrer, gekreuzigt wurde, gestorben, wieder auferstanden und zum Himmel aufgefahren ist, so verfechten wir nichts anderes, als was die früheren Gläubigen über die Söhne des himmlischen Vaters Jupiter angenommen haben. Weiß man doch, wie viele Söhne die hochgeschätzten Schreiber Jupiter beigelegt haben : Merkur, der Wortausleger und Lehrer aller ; Aeskulap, der als großer Heiler galt, gleichwohl aber, vom Blitz getroffen, zum Himmel aufstieg ; ebenso Bacchus, nachdem er Glied für Glied wieder zusam- mengesetzt worden war ; und auch Herkules, nachdem er, um dem Nesseushemd zu entgehen, sich dem Feuer überantwortet hatte ; die Söhne Ledas, die Dioskuren ; Perseus, Sohn der Danae ; Bellerophon, der, ungeachtet seiner Abkunft von Sterblichen, auf dem Pegasus in den Himmel gelangt ist. Was soll ich über Ariadne sagen und über die Menschen, die ebenso wie sie unter die Sterne versetzt worden sein sollen ? Und was schließlich über die Kaiser, die unter euresgleichen sterben, die ihr aber der Vergöttlichung für wert erachtet, weshalb ihr jemanden unter euch habt, der beteuert, er habe gesehen, wie Caesar sich nach seiner Einäscherung vom Scheiterhaufen in den Himmel erhoben habe ?“
In seiner nicht endenden Verteidigung führt Justin die Ähnlichkeiten zwischen seinem Gott-Menschen und den Göttern anderer Kulturen auf :
“Was den Verdacht anbelangt, Jesus sei gekreuzigt worden, so sage ich, Marter war all den vorerwähnten Söhnen Jupiters gemein. … Bezüglich der Geburt durch eine Jungfrau habt ihr Perseus als Äquivalent. Die Heilung eines Lahmen, eines Paralytikers und eines von Kindesbeinen an Verkrüppelten war kaum mehr als das, was ihr Aeskulap zuschreibt.“
Beim Anstellen dieser Vergleiche zwischen Christentum und dessen Vor- gänger, dem Heidentum, verplappert Justin sich allerdings gewaltig :
“Als es Satan zu Ohren gekommen war, daß die Propheten das Erschei- nen Christi vorhergesagt hatten, setzte er die heidnischen Dichter in die Welt, auf daß sie in großer Anzahl die sogenannten Söhne Jupiters erfänden. Satan warf seinen Schatten darauf und flößte auf diese Weise den Menschen ein, bei der wahren Geschichte Christi verhalte es sich ebenso wie bei den umlaufenden Geschichten über die Söhne Jupiters.“
In seinem Dialog mit Trypho, dem Juden, räumt Justin abermals die Prä- existenz der Christus-Legende ein und macht dabei von seiner ständigen irrationalen und sich selbst bestätigenden Masche Gebrauch, die darauf hinausläuft, “Satan habe es als erster geahnt.“
“Und so sei versichert, Trypho, ich bin in der Kenntnis und im Glauben jener Verfälschungen von Schriften wohlerfahren, die er, der der Teufel genannt wird, unter den Griechen verfertigt haben soll, und ebenso in denen, die von den Magiern in Ägypten auf uns gelangt sind wie auch andere von falschen Propheten aus den Tagen Elias’. Denn wenn erzählt wird, Bacchus, Sohn der Semele, sei von Semele aus dem Umgang [mit Jupiter] hervorgegangen und er sei der Erfinder des Weins ; wenn erzählt wird, er sei in Stücke gerissen worden, gestorben, wieder erstanden und zum Himmel aufgefahren, und wenn man Wein in seine Mysterien hinein- bringt, muß ich das nicht so verstehen, als daß [der Teufel] die Prophe- zeiung, die dem Patriarchen Jakob eröffnet worden war und die Moses überliefert hat, vorweggeäfft hat ? Und wenn erzählt wird, Herakles sei von großer Stärke gewesen und habe alle Länder der Welt durchmessen, daß er von Zeus mit Alkmene gezeugt worden und nach seinem Tode zum Himmel aufgefahren sei, vernehme ich dann darin nicht die Heilige Schrift, die von Christus aussagt, er ist “stark wie ein Held seine Strecke gelaufen“, der in solcher Art und Weise vorweggeäfft worden ist ? Und wenn er [Satan] Aeskulap als Bezwinger des Todes und als Heiler sämt- licher Gebrechen hervorbringt, darf ich dann nicht davon sprechen, daß er somit gleichermaßen die dem Christus geltenden Prophezeiungen vor- weggenommen hat ? . . . Und höre ich, Trypho, Perseus sei aus einer Jungfrau hervorgegangen, so verstehe ich das so, als daß die gleisneri- sche Schlange auch dies vorausgeahnt und vorweggeäfft hat.“
Der christliche Autor Minucius Felix [circa 250 unserer Zeitrechnung] stellte es in seinem Octavius in Abrede, die Christen verehrten einen “Straftäter und dessen Kreuz“, vielmehr gälte die Verehrung der Heiden einem Gekreuzigten :
“Kapitel XXIX – These : Es ist auch nicht wahr, daß ein Gekreuzigter von den Christen um seiner Verbrechen willen verehrt wird, glauben sie doch nicht nur, daß er unschuldig war, sondern darum, daß er Gott ist. Auf der anderen Seite rufen die Heiden die göttlichen Kräfte von Herrschern an, die von ihnen selbst unter die Götter versetzt worden sind, sie beten Götzenbilder an und segnen deren Genien.
“Es ist uns nicht gestattet, diese unheilvollen Dinge und dergleichen auch nur zu vernehmen ; es schaudert uns sogar, uns mit weiteren Worten dagegen zu rechtfertigen. Machst du doch geltend, solche Sachen seien von reinen und bescheidenen Menschen vollbracht worden, von denen wir nie gedacht hätten, daß sie so etwas täten, bis ihr bekräftigt habt, daß sie es euch wahrhaftig eingestanden haben. Wenn ihr aber unserer Religion es beilegt, wir verehrten einen Verbrecher und sein Kreuz, so bewegt ihr euch fern von der Wahrheit und vermeint entweder, er habe das Kreuz als Verbrecher verdient, oder aber, ein irdisches Wesen sei imstande, als Gott zu gelten. … Darüber hinaus verehren wir weder Kreuze noch steht unser Sinn danach. Ihr hingegen segnet hölzerne Götzenbilder und betet hölzerne Kreuze, vielleicht als Teile eurer Götter, an. Denn eure Banner und Standarten, die Flaggen auf eurem Lager, was sind sie anderes als geschmückte und bekränzte Kreuze ? Eure Sieges- trophäen stellen nicht nur Imitate simpler Kreuze dar, sondern ebenso Abbildungen daran gehefteter Gekreuzigter. …“
Die Jesus-Legende hat in sich Elemente aus den Mythen anderer Gott- heiten aus einem weiten Verbreitungsgebiet aufgenommen, wie etwa vieles bezüglich der nachbenannten Welt-Erretter und “Gottes-Söhne“, von denen die meisten zeitlich vor der christlichen Ära zu datieren sind und von denen eine ganze Anzahl gekreuzigt beziehungsweise auf andere Weise exekutiert worden sind. [33 a]
Obwohl sich die meisten Leute Buddha als geschichtliche Person vor- stellen, die um das Jahr 500 vor unserer Zeitrechnung gelebt habe, so läßt sich anhand der als Buddha überlieferten Figur zeigen, daß darin die Kompilation von Gott-Menschen, Legenden und Erzählungen über ver- schiedene Heilige steckt, die der Lebenszeit des Buddha vorausgegan- gen oder ihr nachgefolgt sind. [37]
Der Buddha-Typus hat mit der Christus-Figur folgende Charakterzüge gemein : [38]
Horus
von Ägypten
Die Legenden über Jesus und die Legenden über Horus gleichen ein- ander sehr, wobei Horus sogar den Namen für Jesus Christus abgege- ben hat. Horus und sein Vater in Ewigkeit, einstmals und immerdar, Osiris, werden im Mythos immer wieder gleichgesetzt [“Ich und der Vater, wir sind eins“ [41] ]. Die Legenden über Horus reichen tausende von Jahren zurück, und er weist folgende Charakterzüge gemeinsam mit Jesus auf :
Tatsächlich finden sich in den Katakomben Roms Bilder des Horus- knaben auf dem Schoß der jungfräulichen Mutter Isis – das Vorbild der “Madonna mit dem Kinde“ [48] – und der Vatikan selbst wurde erbaut auf dem Hohepriestergebäude des Mithras [49], der mit Jesus viele Charakter- züge gemein hat und der als Gottheit bereits lange, bevor Jesus als Gottes-Typus formalisiert wurde, bestand. Die christliche Priester- hierarchie ist der mithraistischen nahezu gleich, an deren Stelle sie getreten ist [50]. Augenscheinlich alle Elemente des katholischen Rituals, von der Mitra bis zur Oblate, dem Weihwasser, dem Altar und der Lehre, sind unmittelbare Entlehnungen aus vorangegangenen heidnischen Religionen. [51]
Mithras, Sonnen-Gott
der Perser
Die
Geschichte des Mithras geht um
mindestens 600 Jahre der Christus-Legende voraus. Wheless zufolge war
der Kult
des Mithras kurz vor der christlichen Ära die “am meisten verbreitete
‘heidnische’ Religion jener Zeit." Mithras hatte folgendes mit den
Wesenszügen
Christi gemein :
· Zu seinem Kult zählte eine Eucharistie oder das “Herren-Mahl“ [52]
Krishna aus Indien
Die Übereinstimmungen zwischen dem Christus-Typ und dem indischen Messias sind zahlreich. Tatsächlich findet Massey mehr als 100 davon zwischen dem hinduistischen und dem christlichen Heiland, und Graves, der seine Analyse auch noch auf die nicht-kanonischen Evangelien erstreckt, kommt auf mehr als 300 Entsprechungen. Es verdient hervor- gehoben zu werden, daß eine weitverbreitete ältere englische Aussprache von Krishna “Christna“ lautete, was die Verwandtschaft mit Christus noch betont. Auch mag bedacht werden, daß viele Anhänger an einen leibhaftigen Krishna – ebenso wie die Gläubigen des jüdischen Gottes-Menschen – geglaubt haben. [53]
· Krishna wurde von der Jungfrau Devaki ("der einen Göttlichen ") geboren [53 a]
· Krishna wird wiederkehren zum Kampf mit dem “Fürsten des Bösen”, der es darauf abgesehen hat, die Erde zu zerstören. [62]
Prometheus aus
Griechenland
Von dem griechischen Gott Prometheus hieß es, er sei von Ägypten gekommen, sein Drama indes ereignete sich im Kaukasus. Prometheus weist eine ganze Anzahl von Entsprechungen mit dem Christus-Typ auf :
· Prometheus erschien in Menschengestalt vom Himmel, um die Menschheit zu retten.
· Er wurde der Logos (das Wort) genannt. [62 a]
Fünf Jahrhunderte vor der christlichen Ära verfaßte der hochgeschätzte griechische Dichter Aeschylos das Drama Der gefesselte Prometheus, welches, folgt man Taylor, in Athen im Theater aufgeführt wurde. Taylor zufolge wird darin Prometheus an einem “Schandpfahl“ gekreuzigt und der Himmel verfinstert sich :
“Die Dunkelheit, die die Szene des leidenden Prometheus umgab, war durch Auslöschen der Lampen leicht zu bewerkstelligen ; doch als die Tragödie zur Geschichte wurde und als sich die Fiktion in Wirklichkeit verkehrte, da ließ sich die Lampe des Tages nicht derart leicht hand- haben. Es läßt sich auch nicht leugnen, daß die wundersame Finsternis, die mit der Kreuzigung Christi einherging, unter demselben Schicksal eines absoluten und totalen Wunsches, es möge sich so abgespielt haben, gelitten hat.“ [63]
Der Überlieferung zufolge wurde Prometheus an einen Felsen gebunden [“gekreuzigt“], wenn auch einige Quellen die Version verfechten, er sei an einem Baum gekreuzigt worden und Christen hätten die Erzählung verderbt und/oder verstümmelt, wie sie es mit den hinterlassenen Werken so vieler antiker Autoren getan hätten. Auf jeden Fall bildet der Umstand, daß die Sonne sich verfinstert habe, eine Parallele zur christlichen Legende der Kreuzigung Jesu. Diese auffallende Begebenheit wird nicht als historisch beschrieben, sie ist vielmehr lediglich innerhalb des Mythos sinnvoll ausdrückbar und war Teil eines sich wiederholenden Spiels.
Die Erschaffung
eines Mythos
Die Christen begaben sich auf eine wahre Zensurschlacht, die den Analphabeten der Antike galt und stellten auf diese Weise sicher, daß ihr Geheimnis den Massen unbekannt blieb [64], wohingegen die Gebildeten oder andere Schulen bzw. Sekten zu keiner Zeit von ihren Vorbehalten gegen die Historizität einer höchst altehrwürdigen mythologischen Erfin- dung abließen. Die Argumente dieser gebildeten Abweichler sind uns nicht zugänglich, haben doch die Christen sämtliche Spuren ihrer Arbeiten ausgetilgt. Dessen ungeachtet haben die Christen die Einwände ihrer Widersacher in Gestalt ihrer eigenen Erwiderungen bewahrt.
So enthüllt zum Beispiel der frühe Kirchenvater Tertullian [er lebte etwa 150 – 220 unserer Zeitrechnung] vormals selbst Heide, dann Bischof von Karthago, in ironischer Manier die wahren Ursprünge der Christus- Legende und aller anderen derartigen Gottes-Menschen, indem er zwecks Widerlegung seiner Gegner feststellt : “Ihr sagt, wir verehrten die Sonne, ihr tut es doch auch.“ [65] Interessanterweise hat Tertullian, einstmals ein entschiedener Glaubensstreiter und Verteidiger des Glaubens, später dem Christentum abgeschworen. [66]
Der “Sohn Gottes“
ist die “Sonne Gottes“.
Der Grund, weshalb all diese Mythen – ein Gott-Mensch, der gekreuzigt wird und wieder aufersteht, der Wunder vollbringt und der 12 Jünger hat - einander derart gleichen, liegt darin, daß sie sich auf die Bewegungen der Sonne durch das Himmelszelt beziehen, eine astrotheologische Ent- wicklung, die rund um den Erdball anzutreffen ist, weil die Sonne und die 12 astrologischen Monatshäuser weltweit zu sehen sind. In anderen Worten, Jesus Christus und all die anderen, denen diese Eigenarten bei- gelegt werden, stellen nichts anderes dar als Personifikationen der Sonne, und die in den Evangelien festgehaltene Legende ist lediglich der Wiederaufguß einer mythologischen Formel [“Mythos“ im oben erörterten Sinne], die sich um die Bewegungen der Sonne auf ihrem Wege über das Himmelszelt rankt. [68]
So haben zum Beispiel viele der gekreuzigten Gott-Menschen ihren Geburtstag traditionell am 25. Dezember [“Christmas“ [69] ]. Das kommt daher, weil man in der Antike [aus irdischer Sicht] wahrgenommen hatte, daß die Sonne im Laufe des Jahres einen südwärts gerichteten Abstieg bis zum 21. oder 22. Dezember, nämlich der Wintersonnenwende, voll- führt und dann drei Tage lang innehält, um sich anschließend wieder nordwärts auf den Weg zu machen. In dieser Zeitspanne erklärten die Alten, “Gottes Sonne“ sei für drei Tage “gestorben“ und werde am 25. Dezember “wieder geboren“. Zu allem Überfluß nahmen sie wahr, daß die Sonne, auf deren Wiederkehr sie Tag für Tag angewiesen waren, sie in große Not bringen würde, sollte sie ihren südwärtigen Trip nicht beenden und ihre Laufrichtung umkehren. Und so begingen viele verschiedene Kulturen den Tag der Geburt der “Sonne Gottes“ am 25. Dezember. [70] Nachstehend die Charakteristika der “Sonne Gottes“ :
· Die Sonne “stirbt” für drei Tage am Tage der Wintersonnenwende, dem 22. Dezem- ber, wenn sie in ihrer südwärtigen Tour innehält, um wiedergeboren zu werden und am 25. Dezember wieder aufzuerstehen, um sich in der Gegenrichtung wieder nord- wärts zu begeben.
· Die Sonne hängt “gekreuzigt” am Kreuz, womit ihr Durchgang durch die österliche Tag-und Nacht-Gleiche dargestellt wird, und so ist sie dann wieder erstanden [72]
Anders als man gemeinhin anzunehmen gewohnt ist, waren die Menschen der Antike durchaus nicht eine unwissende und abergläubi- sche Masse, die tatsächlich an ihre Gottheiten in der Weise geglaubt hätte, als seien deren landläufige Charaktere buchstäblich zu nehmen. Die dahin zielende Schmäh-Propaganda gehörte zu der Verschwörung, die Zeitgenossen als blöden Haufen in dumpfer Finsternis hinzustellen, die des “Lichtes Jesu“ [73] bedürften. In Wirklichkeit waren die Menschen der Antike in moralischer und spiritueller Hinsicht nicht geringer entwickelt und in vielen Fällen weitaus weiter als die Christen in ihrer mutmaßlich eigenen Befindlichkeit, die in ihrem Beharren auf vermeintlicher Histori- zität geradezu auf eine Abwertung alter Mythen hinausläuft. Denn anders als die ihr angeblich “überlegenen“ Christen wußte die gebildete Schicht damals durchaus, daß es sich bei ihren Göttern um astronomische und atmosphärische Phänomene handelte. Sokrates, Plato und Aristoteles [74] wußten mit Sicherheit, daß Zeus, der Göttervater im Himmel, der aus Indien bzw. Ägypten kommend nach Griechenland gelangt war, nie eine reale Person gewesen war, auch wenn die Griechen auf Kreta sowohl eine Geburtsgrotte wie auch eine Sterbehöhle ausfindig gemacht haben wollten. Angefügt sei noch, auf der ganzen Welt finden sich Stellen, wo dieser Gott oder sonst wer angeblich seine Geburtsstätte hatte, wo er gewandelt war, gelitten hatte, gestorben war u.s.w., eine übliche und nicht besonders bemerkenswerte Angelegenheit, für die das Christentum keineswegs das Monopol besitzt und auch nicht auf Erfinderrechte pochen kann. [74 a]
Etymologie kann eine
Menge erzählen.
Zeus, genauer “Zeus Pateras”, den wir ohne weiteres als mythische und nicht als historische Figur ansehen, leitet seinen Name ab von etwas, das in der indischen Version "Dyaus Pitar" lautet. Daraus wieder wurde die ägyptische Bezeichnung “Ptah“ abgeleitet, und von Pitar und Ptah kommt unser Wort “pater“ bzw. “Vater“. “Zeus” entspricht “Dyaus”, daraus wurde “Deos”, “Deus” und “Dios” – “Gott”. “Zeus Pateras“ wie auch Dyaus Pitar bedeutet “Gott der Vater“, eine sehr alte Auffassung, die keineswegs erst mit “Jesus“ und dem “Christentum“ ihren Anfang genommen hat. Über die Frage, ob es Zeus je als historische Figur gegeben habe, gibt es keinen Streit. Aus Dyaus Pitar wurde in der römischen Mythologie “Jupiter“, dem ebenso wenig eine jemals gegebene historische Existenz zukam. In der ägyptischen Mythologie ist Ptah, der Vater, die unsichtbare Gotteskraft, und die Sonne wurde als Ptah’s sichtbarer Stellvertreter angesehen, der der Erde das sich immer wieder erneuernde Leben bringt ; von da her ist der “Sohn Gottes“ tatsächlich die “Sonne Gottes“. Und der Name “Christus“ kommt, so Hotema, vom indischen Begriff “Kris“ [wie in Krishna], was nichts anderes ist als ein Name für die Sonne. [75]
Und weiter : da nun Horus den Namen “Iusa/Iao/Iesu” [76], der “KRST“, und Krishna/Christna den Namen “Jezeus“ hatten, Jahrhunderte bevor irgend- ein ähnlich lautender Name bei den Juden kreiert wurde, so ist es sicher- lich richtig anzunehmen, daß es sich bei Jesus Christus um einen Neu- aufguß von Horus und Krishna handelt, von anderem abgesehen. Die Bezeichnung “Christus“ bedeutet in ihrer hebräischen Form “der Gesalb- te“ [“Masiah“ [77] ] und war – so Rev. Taylor – den Königen in Israel vor- behalten, bevor sie “derart allgemein für alle Arten von Schwindlern, Ver- schwörern und Prätendenten auf übernatürliche Eingebungen in Gebrauch kam, daß der darauf geltend gemachte Anspruch sogar im Evangelium selbst als Anzeichen für Schwindel verwendet wurde . . “ [78] Hotema [79] hebt hervor, daß der Name “Jesus Christus” erst auf dem Konzil von Nicäa im Jahre 325 unserer Zeitrechnung förmlich genehmigt wurde.
Sogar Ortsnamen und die Bezeichnungen vieler anderer Personen, die im Neuen Testament auftreten, entpuppen sich als hebraisierte Ent- nahmen aus ägyptischen Texten.
“Lazarus” zum Beispiel, der in Leichentücher eingehüllte Tote, den Jesus wieder zum Leben erweckt, stellt einen von christlichen Kopisten ohne jegliche Namensänderung übernommenen “El-Azar-us” dar, wobei die dem Horus zugeschriebene Begebenheit sich vielleicht 1.000 Jahre vor ihrer jüdischen Spielart, wenn nicht früher, zugetragen hat. [80] Diese Legende stellt eine alte Allegorie auf die wieder zum Leben erweckte Sonne dar, die “gestorben“ ist ebenso wie selbst ihr Vater, in der Gestalt des “El-Osiris“. [81] Eine historische Begebenheit war das nicht und somit auch keine “wahre Geschichte“.
Der hauptsächliche Gegner des Horus – eigentlich das andere Gesicht des Horus bzw. sein “dunkler“ Aspekt – war “Set“ oder “Sata“, davon abgeleitet ist “Satan“. [82] Horus kämpft mit Set in derselben Weise wie Jesus mit Satan ringt, 40 Tage in der Wüste, neben anderen Ent- sprechungen. [83] Dies steht für den Triumph des Lichts über die Finster- nis, oder für die Überwindung des Schreckens der Nacht durch die wiederkehrende Sonne.
"Jerusalem" bedeutet schlicht “Stadt des Friedens" und die Stadt dieses Namens wurde nach dem heiligen Ort benannt, von dem die für heilig gehaltenen ägyptischen Texte handeln, wobei jener ägyptische Ort längst bestand, als jene Stadt gegründet wurde. Ebenso “Bethanien”, der Ort der wundersamen Vermehrung der Brotlaibe : das bedeutet “Haus Gottes”, der Name ist eine Allegorie für die “Vervielfachung aus Einem“ [84] Zu dieser Bezeichnung gelangte eine allegorische Örtlichkeit, bevor die Stadt dieses Namens gegründet wurde. Ihre ägyptische Vorgängerin und ihr Gegenstück ist “Bethanu“. [85]
Die
Apokalypse ist ägyptischen und zoroastrischen Ursprungs.
Im Buch der Offenbarung tauchen Ortsnamen wie “Jerusalem” und “Israel” auf, die sicherlich allegorisch sind. Massey hat hervorgehoben, daß die Apokalypse, die schwerlich von einem Apostel namens Johannes während des ersten Jahrhunderts unserer Zeitrechnung niedergeschrie- ben worden sein kann, möglicherweise bereits 4.000 Jahre älter ist. [86] Massey beteuert, daß sich die Apokalypse auf mithraistische Legenden des Zarathustra/Zoroaster stütze. [87] Über dieses seltsame Buch, durch das man sich über Jahrhunderte hinweg hat in die Irre hat führen lassen, sagt Hotema : “Es drückt sich in Begriffen aus, die der Schöpfungsge- schichte entlehnt sind ; sein Held ist nicht Jesus, sondern die Sonne des Universums, seine Heldin ist der Mond ; und all die anderen Typen sind die Planeten, die Sterne und Sternbilder ; während die Szenerie Himmel, Erde, Flüsse und Meer zusammenfaßt.“ Die gängige Form dieses Textes verdankt sich, laut Churchward, Aan, dem Schreiber des Horus, dessen Name auf uns als “Johannes“ gelangt ist. [88]
Das Wort Israel selbst, weit davon entfernt genuin jüdisch zu sein, leitet sich womöglich von einer Verknüpfung dreier verschiedener Hauptgott- heiten ab : Isis, der göttlichen Erd-Mutter, die in der gesamten antiken Welt verehrt wurde ; Ra, dem ägyptischen Sonnen-Gott ; und El, der semitischen Gottheit, die wir als Saturn [90] kennen. El war einer der ältesten Gottesnamen der alten Hebräer [wovon Emmanu-El, Micha-El, Gabri-El, Samu-El u.s.w. abgeleitet sind]. [91]
Die Heiligung des Sonntags durch die Christen verrät den eigentlichen Ursprung ihres Gottes und ihres Gottes-Menschen. Der “Heiland“ ist tat- sächlich die Sonne, sie ist das “Licht der Welt, das jedes Auge zu sehen vermag“. Die Sonne wurde ständig, soweit die Geschichte zurückreicht, als der Erlöser der Menschheit angesehen, aus Gründen, die auf der Hand liegen. Ohne Sonne würde unser Planet nicht einen Tag überleben. Derart wichtig war die Sonne für die Menschen der Antike, daß sie ein “Sonnen-Buch“ schufen, eine “Helio-Biblia“, was zur “Holy Bible“ [91 a] wurde.
Die “Patriarchen”
und “Heiligen” sind die
Götter anderer Kulturen.
Nimmt man die Entstehung eines Mythos unter die Lupe, so vermag man bald ein Grundmuster herauszuschälen und abzuleiten, das sich immer wiederholt. Überlagert eine eindringende Zivilisation ihre Vorgänger, so stuft sie vorgefundene heimische alte Götter zu niederen Gottheiten ab, zu “Patriarchen“ oder, im Falle des Christentums, zu “Heiligen“. Das läßt sich an der Einbeziehung des hinduistischen Gottes Brahma in der Gestalt des hebräischen Patriarchen Abraham vergegenwärtigen. [92] Einer anderen Schule von Gelehrten zufolge läßt sich der Patriarch Joshua auf Horus mit dem Namen “Iusa” zurückführen, nachdem der Horus-Kult während jener Ära bis zur Levante vorgedrungen war. Dieser Theorie zufolge wandelte sich der Joshua-Kult, der in genau derselben Gegend blühte, wo sich das Drama Christi abgespielt haben sollte, zur christlichen Legende, wobei Josua zu Jesus wurde. [93] So drückt es auch Robertson aus : “Das Buch Joshua gibt uns Anlaß anzunehmen, daß Joshua einige Attribute des Sonnen-Gottes aufwies und daß es sich bei ihm, wie bei Samson oder Moses, um eine alte Gottheit gehandelt hatte, der man den Status eines Menschen verliehen hatte.“
Die Moses-Legende, weit davon entfernt, eine historische hebräische Persönlichkeit zu beinhalten, läßt sich im ganzen Nahen und Fernen Osten antreffen, wobei die Hauptperson in Abhängigkeit von den örtlichen Gegebenheiten sich unterschiedlicher Namen und Rassenzugehörig- keiten bedient : “Manu“ ist der indische Gesetzgeber ; “Nemo, der Über- bringer des Rechts“, kam mit den Tafeln vom Berge Gottes, unweit von Babylon ; “Mises“ ist anzutreffen in Syrien und Ägypten, wo “Manes, der Gesetzgeber“ diese Rolle spielt ; “Minos“ ist der kretische Reformer ; und die 10 Gebote sind, neben anderen, eine Anspielung auf den babyloni- schen Codex des Hammurabi und die indischen Veden. [94] Ebenso wie Moses, war Krishna von seiner Mutter in einem Binsenkörbchen auf einem Fluß ausgesetzt worden, damit eine andere Frau es finde und sich seiner annehme. [95] Massey hat bereits vor einem Jahrhundert betont, und Graham ist ihm darin unlängst gefolgt, daß selbst der Auszug aus Ägypten [Exodus] kein geschichtliches Ereignis gewesen sei. Die Histori-zität des Exodus läßt sich bereits anhand des Nichtvorhandenseins jegli- chen archäologischen Fundmaterials in Frage stellen, wie im “BAR“, [Biblical Archaelogical Review], September/Oktober 1994, dargelegt. [96]
Vergleichbar vielen biblischen Personen ist auch Noah eine Mythe [97], vor langer Zeit von den Ägyptern, den Sumerern und anderen übernommen, wie jeder geübte Gelehrte darzulegen versteht, nichtsdestotrotz gibt es jede Menge von Büchern – von denen einige sogar vorgeben, sie “über- brächten“ die “ultimative Wahrheit“ von einem mystischen, allwissenden, allgegenwärtigen und ewigen Wesen namens Jesus höchstpersönlich – in denen von einem echten historischen Noah, seinen außerordentlichen Abenteuern, und der “Sintflut !“ daherschwadroniert wird. [98]
Das Buch Esther in Alten Testament behandelt eine “Esther”, hinter der ein Remake der Göttin Ishtar, Astarte [Astoreth] oder Isis steht [99] und deren lange andauernde und überall hin reichende Herrschaft ein wenig mit “Gottes Wort, das nicht beirren läßt“ [100] angedeutet wird. Per Harwood (Mythology's Last Gods, 230) zufolge stellt ”Esther” eine bestens um- schriebene “Ishtar“ dar, und “Mordechai“ kommt von “Mardukay“. Das Motiv der jungfräulichen Mutter/Göttin/Himmelskönigin wird rund um den Erdball angetroffen, lange vor der christlichen Ära, mit z.B. Isis, die auch “Mata Meri“ (“Mutter Maria“) genannt wird. “Mari“ war, so Walker, der “Basis-Name der Göttin, den Chaldäern als Marratu, den Juden als Marah bekannt, den Persern als Mariham, den Christen als Maria . . . Die Semiten verehrten ein androgynes Zwitterwesen von Göttin und Gott namens Mari-El [Maria-Gott], entsprechend dem ägyptischen Meri-Ra, in dem das weibliche Prinzip des Wassers mit dem männlichen Prinzip der Sonne vereint war.“
Selbst der hebräische Gottesname “Javeh” kommt vom ägyptischen “IAO“. [101]
In einer der bekanntesten christlichen Täuschungsaktionen machte man, um Anhänger des “Herrn Buddha” zu bekehren, aus ihm einen “Heiligen Josaphat”, von der Kirche kanonisiert, hinter dem eine christliche Ver- fälschung des buddhistischen Titels “Bodhisat“ steht. [102]
Die Jünger stehen
für die 12
Tierkreiszeichen [Monatshäuser].
Es kommt nach alledem nicht von ungefähr, daß es 12 Patriarchen und 12 Jünger gegeben hat, da doch 12 die Anzahl der Tierkreiszeichen oder Monate ist. Wie bei den 12 Aufgaben des Herkules oder den 12 “Helfern“ des Horus stehen die 12 Jünger symbolisch für die Tierkreiszeichen und beziehen sich nicht auf irgend welche im Wortsinne existierenden Per- sonen, die bei einem Drama auf Erden so etwa ums Jahr 30 unserer Zeit- rechnung mitgewirkt hätten. Sie lassen sich vielmehr zurückführen auf eine ältere Konstellation von Gottheiten und volkstümlichen Helden. [103] Petrus läßt sich leicht als ein mythologischer Typus entlarven [104], wäh- rend Judas für den Skorpion stehen soll, den “Verleumder“, in dessen Zeichen die Sonne steht, wenn ihre Strahlen nachlassen und sie sich anschickt, zu sterben. [105] Jakob, der “Bruder Jesu” und “Bruder des Herrn” entspricht Amset, dem Bruder des Osiris [106] und Bruder des Herrn. Massey führt aus, “Taht-Matiu war Schreiber der Götter, und in der christlichen Kunst wird Matthäus als Schreiber der Götter abgebildet, neben ihm steht ein Engel und diktiert ihm das Evangelium.“ [107] Selbst der Apostel Paulus ist aus verschiedenen Charakteren kompiliert : aus dem Saul des Alten Testaments, Appolonius von Tyana und dem griechi- schen Halbgott Orpheus. [108]
War Jesus ein
Essener ? [109]
Soweit man gesagt hat, Jesus sei ein Essener gewesen, selbst bereits vor Entdeckung der “geheimen“ Schriftrollen vom Toten Meer, hat es über Jahrhunderte hinweg viele Spekulationen zu diesem Thema gegeben, doch Massey hat höchst sorgfältig herausgearbeitet, daß viele Jesus zu- geschriebene Lehrsätze entweder zur Lehre der Essener in Widerspruch standen oder sich dort überhaupt nicht finden lassen. [110] Die Essener glaubten nicht an eine leibliche Wiederauferstehung, eben so wenig an einen leibhaftigen Messias. Die Historizität Jesu ließen sie nicht gelten. Sie hielten sich nicht an die hebräische Bibel oder deren Propheten, auch verwarfen sie die Lehre vom Sündenfall, aus der sich notwendigerweise das Bedürfnis nach einem Heiland ableiten ließ. Weiterhin weist Massey darauf hin, daß die Essener Abstinenzler waren und lediglich, um zu leben, Nahrung zu sich nahmen und nicht etwa umgekehrt lebten, um zu essen. Davon ausgehend meint er, Jesus hätte ihnen als Schlemmer und Säufer gegolten. Entsprechend liebte es Jesus, “auf seine Jünger zu schwören“ [111], im Widerspruch zu den Essenern, die Josephus zufolge Eide verabscheuten. Während sich im Neuen Testament viele einzelne essenische Lehren nachweisen lassen, wird weiterhin an der Liste der Widersprüche zwischen den Essenern der Schriftrollen vom Toten Meer und ihrem angeblichen großen Meister Jesus gearbeitet. [112]
Qumran war keine
essenische Gemeinde.
Man sollte ferner nicht außer Betracht lassen, daß es neben dem ob oder ob nicht eine weitere wissenschaftliche Debatte über Qumran gibt, den Ort, der gemeinhin mit den Schriftrollen vom Toten Meer in Zusammen- hang gebracht wird, und zwar dahingehend, ob Qumran überhaupt etwas mit einer Essener-Gemeinde zu tun hatte. Im oben zitierten BAR wird berichtet, archäologische Funde deuteten darauf hin, daß Qumran durch- aus keine essenische Siedlung gewesen ist, sondern wohl eher eine Herberge für Reisende und Kaufleute als Wegstation vor oder nach Überquerung des Toten Meers. Ferner wird in BAR darüber gerätselt, daß der erbitterte kriegerische Ton einiger der Schriftrollen, die man unweit von Qumran geborgen hat, einem essenischen Ursprung eher Hohn sprächen und eher eine Nähe zu den jüdischen Zeloten annehmen ließen. In dem Buch Who Wrote the Dead Sea Scrolls entwirft Norman Golb ein sehr gutes Szenario, demzufolge die Schriftrollen vom Toten Meer von keinem essenischen Schreiber abgefaßt worden sein können, daß sie vielmehr eine Ansammlung von Schriften aus verschiedenen Büchereien darstellten, die aus ganz Israel von flüchtenden Juden wäh- rend des ersten Aufstandes um das Jahr 70 unserer Zeitrechnung ver- steckt wurden. Golb vermutet daneben, daß es sich bei Qumran eher um ein Fort und nicht um ein Kloster gehandelt habe. Wie auch immer, es erscheint ausgeschlossen, den “Lehrer der Gerechtigkeit“, über den sich einige Schriftrollen auslassen, mit Jesus Christus gleichzusetzen.
Ist das Neue
Testament von Therapeuten
zusammengestellt worden ?
Im Jahre 1829 verfocht Rev. Taylor recht geschickt die Meinung, die ge- samten Erzählungen der Evangelien hätte es bereits gegeben lange vor der gemeinsamen Ära und sie seien vermutlich von Mönchen in Alexandria, die sich [griechisch] “Therapeuten“, [ägyptisch] “Essener“ – beides bedeutet “Heiler“ [113] – nannten, zusammengetragen worden. Diese Theorie fand teilweise ihre Stütze in einer Äußerung des frühen Kirchenvaters Eusebius, der, in einem seltenen Moment von Ehrlichkeit, “zugab . . ., daß es sich bei den kanonischen christlichen Evangelien und Episteln um die alten Schriften der Essener oder Therapeuten handele, die im Namen Jesu abgeschrieben worden seien.“ [114] Ferner meinte Taylor, “reisende ägyptische Therapeuten hätten die gesamte Geschichte von Indien in ihre ägyptischen Klöster geschafft, woselbst sie, einige Zeit nach Erstarkung des römischen Prinzipats auf christlich umgemodelt worden seien.“ [115] Es kommt noch hinzu, Wheless weist nach, daß sich vieles der “Jesus-Legende” im Buch Henoch [116] finden ließe, zeitlich einige hundert Jahre vor dem angenommenen Auftritt des jüdischen Meisters. [117] Massey zufolge waren es die “heidnischen“ Gnostiker – zu denen Mitglieder der Essener/Therapeuten und nazoräische [118] Zirkel, neben anderen zählten -, die tatsächlich esoterische (gnostische) Texte nach Rom brachten, in denen der Mythos enthalten war, auf den sich zahlreiche Evangelien, darunter die vier kanonischen, stützten. Wheless sagt, “Offensichtlich sind die Evangelien und andere Schriften des Neuen Testaments, abgefaßt in griechischer Sprache und 300 Zitate aus der Septuaginta [der griechischen Fassung des Alten Testaments] sowie aus etlichen griechischen heidnischen Autoren wie Aratus und Kleanthes, nicht von analphabetischen jüdischen Landleuten sondern von griechisch sprechenden vormals heidnischen Vätern und Priestern weitab vom Heiligen Land der Juden geschrieben worden.“ [119] Mead bekräftigte, “Wir gelangen somit zu dem Schluß, daß unsere vier Evangelien höchst wahr- scheinlich in Ägypten verfaßt worden sind und zwar zur Zeit des römischen Kaisers Hadrian.“ [120]
Ergebnis
Walker hat es so ausgedrückt, “Die Bemühungen der Gelehrten, heidni- sche Elemente aus den Evangelien auszuscheiden, um einem histori- schen Jesus auf die Spur zu kommen, haben sich als ebenso aussichts- los erwiesen wie die Suche nach einem Kern in einer Zwiebel.“ Die “evan- gelische“ Geschichte Jesu gibt kein tatsächliches Bild eines historischen “Meisters“ wieder, der vor 2.000 Jahren auf Erden wandelte. Es handelt sich um einen Mythos, der auf anderen Mythen über Götter und Gott- Menschen fußt, die ihrerseits Personifikationen des allenthalben verbrei- teten Sonnen-Gott-Mythos gewesen sind.
“Der Christus der Evangelien ist in keinerlei Hinsicht eine historische Persönlichkeit oder ein erhabenes Vorbild an Menschlichkeit, ein Held, der gekämpft und gelitten hat und daran gescheitert ist, durch seinen Tod die Welt zu retten. Es ist unmöglich, seine Existenz als historische Per- sönlichkeit zu belegen, selbst wenn man davon ausgeht, er sei ein Schwindler gewesen. Dafür verschaffen ihm zwei Zeugen, nämlich die Astro-Mythologie und die Gnosis, ein komplettes Alibi. Der Christus ist eine volkstümliche Gliederpuppe, die nie gelebt hat, und obendrein eine Gliederpuppe heidnischen Ursprungs, eine Figur, die einstmals ein Stier und hinterher ein Fisch war ; eine Gliederpuppe, die in menschlicher Gestalt die Portraits und Abbilder Dutzender verschiedener Gottheiten in sich vereinigte.“
Gerald Massey
Um
sich weiter zu informieren, sollten Sie The Naked Truth,
The Christ Conspiracy:
The Greatest
Story Ever Sold, und Suns of God: Krishna,
Buddha and
Christ Unveiled, nicht außer acht lassen. Siehe ferner Christ Conspiracy
links.
(Ein Teil dieser Quellen findet sich auch in Acharya S's Recommended Reading.)